Gibt es Gott, oder bleibt nur mein Sehnen?


Gelassen, nicht wie früher, suchte ich im Heute
den Gott, an den ich glauben will und glauben kann.
Befragte, forschend nach der Wahrheit meine Leute.
„Mein Jesus“, so die Mutter, „starb im Krieg als man

die Gustloff traf und ich die Todesschreie hörte.
Uns halfen weder Bitten noch ein Vaterunser.“
Ich las in ihren Augen, wie sie sich empörte.
Das Leid, es blieb und lebte fort als Lebenspanzer.

Verflucht von Gott, ertrug sie still ihr hartes Leben,
mein Vater fand den Schöpfer stets in Wald und Flur.
Dort war er ganz der schönen Lebenswelt ergeben,
er fühlte sich beschenkt vom Himmelssohn Natur.

Mit freien Geist geboren, wuchsen Zweifel, Fragen.
Den Hunger konnten weder Buch noch Weise stillen.
Auf einmal hörte ich mein Innres leise sagen:
ich nenn es Urvertrauen auch um meinetwillen.

Ich gehe ohne Ängste durch das bunte Leben
und spüre, Fremdes, Neues möchte ich entdecken.
Jetzt kann ich dir die weiche Kuscheldecke geben,
ich brauche mich vor Dir, mein Gott, nie mehr verstecken.

© Ilona Pagel 2018

Erklärung: 
Die Wilhelm Gustloff war ein Kreuzfahrtschiff der nationalsozialistischen Organisation Kraft durch Freude (KdF), das im Zweiten Weltkrieg als Lazarettschiff, Truppentransporter und Wohnschiff der Kriegsmarine eingesetzt wurde. Bei ihrer Versenkung durch das sowjetische U-Boot S-13 vor der Küste Pommerns am 30. Januar 1945 kamen mehr als 9.000 Menschen ums Leben. Nach dem Bericht meiner Mutter wurde ein Waisenhaus in Danzig mit etwa 80 Kindern von der Gustloff evakuiert. Sie hat später erfolglos nach Überlebende aus dem Waisenhaus gesucht. Sie wurde von einem Fischerboot gerettet.

Die Geschichte vom ersten Veilchengarten

Dem Burschen gefallen die grünenden Tage.
Er trällert ein Liedchen, und stellt sich die Frage,
obs Veilchen noch blüht, das er gestern gesehen,
beim Wandern durchs Wäldchen, dort unter den Schlehen.

Betrachtet verborgenes, duftendes Teilchen.
Geheimnisumwoben versteckt sich das Veilchen.
Mit Vorsicht, er pflückte, die strahlende Pracht,
es blüht und es duftet, bei Tag und bei Nacht.

Die Schmetterlingsflügel umrahmen die Blüten,
erzählen Geschichten und uralte Mythen.
Ein Jüngling verliebt sich, unendlich in Maira,
er baute ein Häuschen und fragte ums Ja.

Den Antrag bedenk ich, versprach sie dem Manne.
Er schenkte nun täglich ihr Rosen mit Tanne.
Sie ließ sich verzücken vom Blumengebinde.
Bekannte, dass sie, wohl auch Liebe empfinde.

Doch Düfte des Veilchens verzückten das Mädchen
auf lauschigen Wegen, hinauf zu dem Städtchen.
Und wünscht vom Verlobten ein Kränzlein aus Veilchen.
Er schuf einen Garten, das dauert ein Weilchen.

Die Veilchen verströmen die herrlichsten Düfte
und Wünsche, sie ranken gar hoch in die Lüfte.
Im Herzen verbunden mit goldenen Ringen,
nun läuten die Glocken, die Geigen erklingen.

Ein Märchen war es nur

Ein Märchen war es nur

November wars, als es gewaltig schneite.
Gespenstig pfiff der Sturm um Häuserecken.
Der Junior hockte warm an Vaters Seite
und hörte Märchen. Vater sprach von Recken,

Gestalten, riesig dunkle Monsterschatten.
Da krachte es! An Scheiben schlugen Äste.
Der Knabe sah sie lauern unter Matten
und kroch verängstigt unter Vaters Weste.

Die Mutter sah ihr Kindchen voller Ängste.
Ermahnte gleich den Ehemann aufs Strengste.
Verscheuchte Böses aus der warmen Stube.

„Ein Märchen war es nur, mein armer Bube.“
Ans Kindeswohl da sollt der Alte denken,
Ein Märchen sollte Kindern Freude schenken.

© Ilona Pagel
 

Gendern ist Palim Palim

Das Gendern bringt viel Ungemut
der Didi sagt, wie weh es tut.
Er hat nichts gegen Weiber,
verliebte sich in manches Ding,
in rund und zarte Leiber.

Der Didi liebt Palim Palim
doch „innen“, das ist falsch und schlimm.
Drum sagt er „Nein“ zum gendern,
die Frau ist schließlich mitgemeint,
da wird sich auch nix äääendern.

Bewahrst du dir den ganzen Mann,
so ziehst du Frauen in den Bann?
Und diese Machosprache,
mit ihrem derben Männerwitz,
sie liegt grad in der Lache.
© Ilona Pagel

Vergänglichkeit (Kanzone)

Der Herbst verspricht so viele warme Stunden.
Mit seinen roten Sonnenuntergängen
gelobt die Zeit, das Glück nun abzurunden.
Die See – ein Spiegel, dicht an Felsenhängen
beschwört den Morgen, Milde zu bekunden.
Zur Feier glatt und leicht und ohne drängen.

Ins Spiel der Farben mischen kalt sich Winde,
ein Frösteln, kahl gefegt sind Wein und Linde.
Ein Hauch von Winter liegt in dieser Weile,
bedeckt die Landschaft – nichts ist mehr in Eile.

Ein Quäntchen Kälte spüren alle Wesen
und viele legen träumend sich ins Nest.
Die Menschen denken, -endlich Zeit zum Lesen.
Für viele wird der Herbsttag so zum Fest.
Und manch Geschöpf ist schlafend schon genesen,
verpasst den Sturm, der pfiff aus Nord und West.

Die Nebelschwaden fallen, steigen, fliehen,
mit ihnen wilde Gänse südwärts ziehen.
Erholen sich und sammeln ihre Kräfte,
für ihre ausgeprägten Staatsgeschäfte.

Gespenstisch dunkel scheinen diese Tage,
verwaist das Nest und still ist mein Zuhause.
Das Krähenkrächsen dröhnt wie eine Klage
und nichts erinnert an das Festgeschmause.
Geflüchtet scheint die letzte Sommersage
und dunkle Wolken ziehen ohne Pause.

Betritt der Todesengel unsre Kammer,
versteht er unsre Not und das Gejammer?
Auf feuchtem Rasen liegt ein blasser Schimmer,
ist es des Augenblickes Sterbezimmer?

Was wäre wenn

Was wäre, wenn wir alle ehrlich wären,

die Lüge flög in fremde Sphären?

Was  wäre, wenn wirs Essen teilten

und danach im Gespräch verweilten?

Was wäre, gäb es keinen Stand und keine Rassenlehre

und unsre Ahnen wären weder Fluch noch Ehre?

Was wäre, könnten wir die Seele nur befragen,

Besitz und  Wohlstand hätten nichts zu sagen?

Was wäre, blieben alle Menschen  Kind im Kern,

wär die Erde dann ein schönrer Stern?  

© Ilona Pagel

In meinem Garten

Mich küsste heut der erste Sommerflieder,

die Tulpen nickten freundlich ein „Willkommen“.

Die Amseln sangen munter ihre Lieder

ich summte mit, war ganz der Welt entkommen.

Die Tulpen nickten freundlich ein „Willkommen“,

das Ohr vernahm den Ton der Honigbiene.

Ich summte mit. War ganz der Welt entkommen.

Vergessen waren Sorgen und Termine.

Das Ohr vernahm den Ton der Honigbiene.

Die Augen staunten, sahn Insekten fliegen,

vergessen waren Sorgen und Termine.

Der Goldlack wollt sich an die Tulpe schmiegen.

Die Augen staunten, sahn Insekten fliegen,

die Amseln sangen munter ihre Lieder.

Der Goldlack wollt sich an die Tulpe schmiegen.

Mich küsste heut der erste Sommerflieder.

Von der Blumenfee

Dem Mädchen gefallen die grünenden Tage
es trällert ein Liedchen, erzählt von der Sage
des Blümchens im März. Die Geschichte erzählt
von Milka der Fee, die den Garten erwählt.

Es möchte so klein, wie`s Florinchen stets bleiben
mit kindlichen Spielen die Zeit sich vertreiben.
Erwachen im Frühjahr zur strahlenden Pracht
und hören die Lerchen, die singen zur Nacht.

Das Blümchen, es tänzelt im Grase auf Wiesen
bemäntelt das Köpfchen bei eisigen Brisen.
Erlernte zu drehen den Scheitel im Wind,
und Sonne zu fangen als rosiges Kind.

Und wills in Arkadien auch tagelang schauern,
das Blümchen, vergnügt sich, es möchte nicht trauern.
Das Kindchen der Sonne, von Feen erdacht
es blühet vergnügt als Maßliebchen der Nacht.

Das Mädchen erzählt eine uralte Weise
von fröhlicher Fee, die so heimlich und leise
als Blümchen getarnt sich in Gärten gestellt,
Natur zu belauschen als Kind dieser Welt.






	

De Buttje von de Waderkant

Lyrische Momente

Ick bün een von de ole Ort
keen ut de neeje Tid
heff stets dat Ole treu bewohrt
un so is dat ok hüt.

Min Modersprach, so sööt un echt
ick heff di nie so halv vergäten
un klöhn de Ollen, mi is recht,
dann hüppt min Hart een bäten.

Ick bin de Buttje von de Küst
un snack den leeven langen Dag.
Ick gröt mit moin und hev schon wüsst
du büst von Süden, von den annern Schlag.

Ick künn so fell wie du nich sabbeln
min Tuhus is dor wo kener vörnehm deit.
Ick bin nich krüsch un lass de Gäste babbeln,
schon bien „moin moin“ hemm se de Ogen vodreiht.

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